Tipp des Monats

Tipp des Monats

Bosalknoten & Co.

Die kleine Knotenkunde für Bodenarbeit und Reiten mit der traditionellen Hackamore.

Das Bosal als Bestandteil der traditionell kalifornischen Hackamore erfreut sich einer immer größer werdenden Fangemeinde. Dass dabei der Passform und Größe des Bosals eine wesentliche Rolle beikommt, wurde in einigen HORSEMAN ja schonausführlich beschrieben. Heute geht es in erster Linie um die Mecate, die bei der Hackamore gleichermaßen als Führstrick und Zügel dient. Je nachdem, ob das Pferd geführt, am Boden gearbeitet oder geritten wird, wird die Mecate unterschiedlich befestigt oder gebunden. Eine Handvoll verschiedener Knoten sollten deshalb zum Repertoire eines jeden gehören, der mit dieser vorzüglichen Zäumung gebisslos unterwegs ist. Im Video wird gezeigt, welchem Zweck die einzelnen Knoten dienen und wie diese gebunden werden. Ob man 3 oder 4 Wicklungen benutzt ist natürlich von der Größe bzw. der Passform des Bosals abhängig.

Ein Beitrag von Rolf Schönswetter

Bosalknoten

Wer als Hackamore-Neuling erstmals ein Bosal mit Hanger samt dazugehöriger Mecate in der Hand hielt, weiß, wie sich Verzweiflung anfühlt. Denn zunächst erscheint es gar nicht einfach, die Mecate so ins Bosal einzubinden, dass daraus eine funktionierende Zäumung entsteht. Dass es dabei auch noch unterschiedliche Meinungen zu Anzahl der Wicklungen, Abstand des Knotens zum Pferdekinn etc. gibt, macht es auch nicht gerade besser (HORSEMAN berichtete ausführlich im Mai).

Unabhängig davon braucht es für die traditionell kalifornische Hackamore eine Handvoll Knoten, um sein Pferd ordentlich durchs Reiterleben bugsieren zu können. Der wichtigste davon, ist der Bosalknoten selbst – denn nur mit diesem wird aus den einzelnen Bestandteilen die eigentliche Zäumung.

So unübersichtlich der fertige Knoten am Bosal für manchen aussehen mag, mit der richtigen Vorgehensweise und ein bisschen Übung wird daraus kein großes Ding. Im Video sorgt für jeden Knoten eine Schritt-für-Schritt Anleitung für mehr Durchblick – und letztlich macht dann Übung daraus den Meister. Ein Blick hinein lohnt also allemal.

Kehlriemenknoten

Hat man dann die Hackamore mit Knoten, Zügel und Führseil endlich korrekt am Pferdekopf angebracht, müssen sich meine Schüler schon mit dem nächsten Seilkonstrukt auseinandersetzen: dem Hilfshalfter zum Führen des Pferdes. Schließlich sollen Pferd und Mensch ja sicher von A nach B kommen – von der Stallgasse zum Reitplatz, über eine vielbefahrene Straße oder whatever.

Immer dann, wenn der Mensch absteigen muss, um sein Pferd zu führen, sollte er sich folgendes bewusst machen: Die Hackamore beziehungsweise das Bosal ist meist nur mit einem einfachen Genickstück ohne Stirn- und Kehlriemen am Pferdekopf befestigt! Erschreckt das Pferd und versucht, sich zu entziehen, kann schnell mal der Bosalhanger über die Pferdeohren rutschen und Murphys Gesetz hat gute Chancen, seinen Lauf zu nehmen.

Entweder landet dann die komplette Hackamore vor unseren Füßen oder das baumelnde Bosal hängt noch an der Zügelschlaufe um den Pferdehals, während wir einer kometengleich dahinsausenden Schweiffahne hinterher blicken.
Kein guter Start also ins künftige Gebisslosreiten. Allemal besser ist es also, mit der Mecate (genauer gesagt, aus der Zügelschlaufe) einen behelfsmäßigen Kehlriemen zu knoten, der im Zusammenspiel mit der Hackamore ein passables Führhalfter abgibt.

Führseilschlaufe

Hat man nun auch diese Hürde gemeistert, sieht man sich dem nächsten Fragezeichen gegenüber: Wohin mit dem anderen Ende des Stricks, dem Führseil? Die erste Möglichkeit wäre, die Mecate an der linken Hüftseite in einer Schlaufe von unten nach oben zwischen Gürtel und Jeans hindurch zu stecken. Doch Vorsicht: Bitte immer darauf achten, dass der Führstrick auf Zug leicht herausrutschen kann und sich nicht verheddert. Deshalb die Schlaufe nicht zu groß machen, damit sich keinesfalls das Seilende darin verfangen kann.

Wer Vaquero Chinks mit Mecate Ring trägt, ist hier nicht unbedingt im Vorteil, zieht man die Führseilschlaufe durch das eigens dafür vorgesehene Accessoire. Die relativ dicke 5/8 Inch Mecate hält in dem schmucken Ring noch recht passabel, dünnere Versionen wie 1/2 und 3/8 Inch rutschen allerdings leicht durch. Versteht sich von selbst, dass bei dieser Variante der Strick niemals verknotet werden darf. Nicht auszudenken, was passieren kann, sollte das Pferd dann mit einem durchgehen.

Tie String Knoten

Die Safety-Variante wäre, die Mecate am Sattel, und zwar am vorderen linken Tie String (Lederband), zu befestigen. Auch hier gibt’s einen praktischen Knoten mit Sicherheitsschlaufe, der gut hält, sich aber trotzdem schnell lösen lässt. Der Vorteil dabei ist, dass man nicht direkt mit dem Führseil verbunden ist, wie bei der zuvor beschriebenen Gürtelvariante. Der Nachteil: Sollten Pferd und Mensch – aus welchem Grund auch immer – getrennte Wege gehen. Selten kommt man dann schnell genug ans Führseil, um einen längeren Fußmarsch zu vermeiden.

Natürlich könnte man das Führseil mit zwei überkreuzten Schlaufen auch am Sattelhorn befestigen. Allerdings rate ich davon ab. Für mich zählen da die gleichen Gründe, warum ich ein Pferd auch niemals am Knotenhalfter anbinden würde. Eine 5/8 Mecate ist ein ziemlich unnachgiebiges Geflecht, geht es um deren Reißfestigkeit. Sollte sich das Pferd in der Mecate verfangen, wird diese wohl kaum reißen – schlimme Verletzungen können dann die Folge sein.
Die Ausrede, der Sattel hätte keine Möglichkeit, einen Lederriemen zu befestigen, kann ich nicht gelten lassen. Wer mit einer kalifornischen Hackamore reiten möchte, sollte den Gedanken auch zu Ende denken und seinen Sattel entsprechend anpassen – oder die Variante mit der Mecaten-Schlaufe am Gürtel wählen.

Verkürzte Zügelschlaufe

Wer nun glaubt, die kleine Knotenkunde hätte hier ihr Ende gefunden, der darf sich freuen: Man kann nämlich mit der kalifornischen Hackamore nicht nur gut gebisslos reiten – sie lässt sich auch hervorragend für alles Mögliche vom Boden aus einsetzen: Horsemanship-Bodenarbeit, klassische Handarbeit oder Elemente der Zirzensik können mit dem Bosal bestens geschult werden. Logisch, dass es auch hierfür wieder den ein oder anderen Spezialknoten gibt.
Einen davon kennen wir schon, nämlich den zuvor beschriebenen Kehlriemenknoten, mit dem wir aus der Hackamore ein Hilfshalfter zum Führen des Pferdes geknotet haben. Eine modifizierte Variante nutzen wir nun, um mit unserem Pferd am Boden arbeiten zu können.

Kürzt man die Mecate am Bosalknoten ein, erhält man einerseits eine sehr kurze Zügelschlaufe und andererseits ein viel längeres Führseil, wie es für die Bodenarbeit nötig ist. Auch hier lässt sich die Zügelschlaufe mittels eines kurzen Lederriemchens zu einem praktikablen Kehlriemen umfunktionieren. Doch Achtung: Ohne das eingeknüpfte Lederriemchen ist die Zügelschlaufe wirkungslos und kann, wie auch das Genickstück, leicht vom Pferdekopf rutschen.
Der Vorteil bei dieser Art des Einbindens ist, dass sich die Hackamore von der Balance her ähnlich wie beim Reiten verhält. Der Grund dafür ist, dass das Bosal durch das Gewicht der Wicklungen beim Annehmen (pull) nach hinten oder seitlich nachgibt, sich aber beim Nachlassen (release) wieder in die Nullposition zurückbewegt.

Halber Schlag versus Palstek

Nicht zuletzt gibt es auch Gründe, warum man die Mecate in einer großen Schlaufe um den Pferdehals befestigen muss. Logisch, dass sich eine solche Seilschlaufe nicht versehentlich zuziehen darf. Zwei weitere Knoten eignen sich dafür bestens: Der halbe Schlag und der Palstek.

Wer eine Mecate mit Knoten (und Tassel) am Ende benutzt, kommt prima mit der einfacheren Variante, dem halben Schlag aus. Im Prinzip handelt es sich dabei lediglich um einen „halben“ Knoten, durch den man das Ende des Führseils hindurch steckt. Anschließend wird der halbe Schlag zugezogen und fertig ist die Angelegenheit.
Da das Führseilende selbst mit einem geflochtenen Knoten bestückt ist, kann es nämlich anschließend nicht durch den halben Schlag hindurchrutschen. Ein äußerst einfacher und praktikabler Knoten, der zudem verhindert, dass sich die Schlaufe auf Zug versehentlich einengt.

Der Palstek, eigentlich ein Seemannsknoten, taugt für alle Arten von Seilen. Wird dieser richtig gebunden, kann sich die damit verknotete Seilschlinge ebenfalls nicht von alleine zuziehen. Er eignet sich daher für alle Seile, die mangels Endknoten beim halben Schlag durchrutschen würden. Der Palstek ist etwas komplizierter zu binden – mit etwas Übung aber auch ohne weiteres zu packen.

Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Knoten für unterschiedlichste Zwecke. Ich finde jedoch, dass sich die hier beschriebenen alle gut für den Gebrauch der kalifornischen Hackamore eignen. Die meisten dieser Knoten trainieren sich im täglichen Einsatz quasi von selbst. Wer beispielsweise die Mecate nach jedem Reiten wieder ausbindet (um das Bosal zu schonen), wird den Bosalknoten oft genug von Neuem wickeln, sodass dieser bald im Schlaf klappt. Wenn nicht – na dann gibt’s ja noch das HORSEMAN Tipp Live Video, wo man bei Bedarf nachsehen kann.

Fotos

Tamara Stegmaier
www.tamara-stegmaier.com

Euer HORSEMAN TEAM